Beim akademischen Berufsbildungsweg mit Mittel- und Hochschule steht der Wissenserwerb im Zentrum.

Selbstorganisiertes Handeln und Anwenden ist sekundär und muss oft erst nach Abschluss der Ausbildung im Berufsleben erworben werden. 

 

Die Berufslehre begeht einen Mittelweg. An den Berufsschulen ist der Wissenserwerb und die Qualifikation primäres Ziel. Im Betrieb stehen konkrete Herausforderungen im Zentrum. Diese haben machmal mit den Inhalten der Berufsschule zu tun, oft auch nicht. Sowohl im Betrieb, als auch in der Berufsschule bestehen für die Lernenden wenig Initiativmöglichkeiten, um selber ihre Lern- und Arbeitsprozesse zu gestalten.

 

Der Dritten Berufsbildungsweg stellt die Selbstorganisation von Lernprozessen, Entscheidungsfähigkeit, Eigenverantwortung und Engagement durch den Lernenden in den Vordergrund. Dahinter steht die Überzeugung, dass unternehmerisch denkende und mutig handelnde junge Menschen Kompetenzen mit ins Berufsleben bringen, von denen Arbeitgeber anderen Berufsbildungswege nur träumen können. Wo qualifiziertes Wissen womöglich in hohem Masse vorhanden ist, die Fähigkeit unternehmerisch handeln zu können jedoch fehlt, fördert und erfordert der Dritte Berufsbildungsweg jedoch genau diese Handlungskompetenzen. In Zeiten, der immer schnelleren Halbwertszeit von Wissen, macht es Sinn nicht statisches Wissen in den Vordergrund einer Berufsausbildung zu setzen, sondern Kompetenzen wie Engagement, Begeisterung- und Handlungsfähigkeit und die Bereitschaft Neugierung und Offen für Neues zu sein.

 

Junge Menschen, die sich entschliessen den Dritten Berufsbildungsweg anzutreten, organisieren sich Kompetenzjourneys. Das sind zeitlich begrenzte Erfahrungsräume (ein paar Wochen bis Monate) an einem Arbeitsort, von dem sie glauben, auf Grund von eigenen Interessen und Begabungen für sie wertvolle Erfahrungen machen zu können. Am Ende jedes Jouneys halten sie fest, was sie durch diese Erfahrung neu wissen, können und über welche Kompetenzen sie verfügen.

Im Kompetenzatlas (Abb. rechts)  tragen also die Kompetenzreisenden in Ausbildung in Form einer Selbsteinschätzung fünf bis zehn besonders stark ausgeprägte Kompetenzen ein. Ebenfalls kennzeichnen sie bis fünf Kompetenzen, bei denen sie Entwicklungreserven sehen. Dasselbe tun die Menschen, welche die Lernenden in den Betrieben begleiten. 

 

Die Auswertungen der Kompetenzjourneys werden an die Zentralstelle des Dritten Berufsbildungsweges geschickt. Dort werden alle Angaben gesammelt, verwaltet und ausgewertet. 

 

Junge Menschen des Dritten Bildungsweges reihen auf diese Art und Weise wochen- bis monatelange Kompetenzjourney aneinander und tragen ihr erworbenes Wissen, Können und ihre Kompetenzen zusammen. Ziel ist es an einen Punkt zu gelangen, an dem sie sich ein Kompetenzportfolio erarbeitet haben, das sie für Betriebe so attraktiv macht, dass sie eine Anstellung erhalten oder aber sich mit einer eigenen Geschäftsidee selbstständig machen können.

 

In der Projektplanung des Dritten Berufsbildungsweges steht im Zentrum Betriebe als Partner der Dritten Berufsbildungsweges zu finden, die einerseits bereit sind, ihre Betriebe als Erfahrungsort für Kompetenzjourneys anzubieten aber auch bereit sind Absolventen des Dritten Berufsbildungsweges anzustellen, die über kein Qualifikationspapier des ersten und zweite Berufsbildungswegs, aber über ein reichhaltiges Kompetenzportfolio verfügen.

Als erprobtes Raster steht für den Dritten Berufsbildungsweg der Kompetenzatlas der Professoren Heyse und Erpenbeck zur Verfügung. Für junge Menschen in Ausbildung wurde der Kompetenzatlas von Daniel Hunziker adaptiert und beschrieben. 


Anschrift:

Dritter Berufsbildungsweg

Chürzi

CH-8854 Galgenen

 

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